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Der Baum des Jahres 2016 - Die Winter-Linde

                              Die Winter-Linde

Die Winterlinde (Tilia cordata), der neue Baum des Jahres ist eine historisch und kulturell prägende Baumart in Mitteleuropa. Lieder, wie zum Beispiel „Am Brunnen vor dem Tore“ haben als zentrales Motiv den Lindenbaum, aber auch die Stadt Leipzig erhielt ihren Namen durch den Baum mit herzförmigen Blättern. In vergangenen Jahrhunderten wurde unter so genannten Gerichtslinden Recht gesprochen und unter der „Dorflinde“ spielte sich der Großteil des gesellschaftlichen Lebens eines Ortes ab. Unter ihnen traf man sich zu Trauungen, Versammlungen und zum Tanz.

Die in Großteilen Europas und Russlands beheimatete Gehölzart aus der Familie der Malvengewächse bevorzugt sommerwarme, vor kalten Winden geschützte Standorte bis zu einer Höhe von 1200 m. Sie gilt als winterhart und dürreresistent, ist aber auch in feuchten Auenwäldern aufzufinden und benötigt deutlich weniger Wärme als die ihr zum Verwechseln ähnliche Sommerlinde. Diese zweite bei uns heimische Lindenart besitzt auch ein deutlich geringeres Verbreitungsgebiet und einen deutlich höheren Nährstoffanspruch im Vergleich zur  Winterlinde. Als schattentolerante Mischbaumart besitzt sie aufgrund ihres leicht zersetzlichen Laubes, eine bodenpflegliche Wirkung. Sie bevorzugt lockere, frische, sowie tiefgründige Böden, wobei nährstoffreiche, kalkhaltige Lehm- und Sandböden bevorzugt besiedelt werden. Da die Winterlinde eine große Toleranz bei der Bodenqualität besitzt, kann sie auch saure oder basische bzw. trockene oder feuchte Standorte besiedeln. In Mitteleuropa gewinnt sie an allen Standorten, an denen die Konkurrenzkraft der Rotbuche (Fagus sylvatica) nachlässt, an Bedeutung.

Als eine der wenigen spätblühenden heimischen Baumarten ist sie eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, Hummeln und Nachtfalter. Zur Blütezeit lassen sich oft sterbende Hummeln unter den Winterlinden finden. Da die Linden eine starke Lockwirkung auf die Hummeln haben, fliegen diese scharenweise zu den Bäumen. Dort reicht die Menge an Nektar meistens nicht mehr für alle Insekten, so dass einige verenden. Auch für Vögel ist die Linde ein beliebter Nistplatz und bietet durch ihre Früchte auch im Winter eine Nahrungsquelle.

Der Habitus der Winterlinde erinnert, wie auch die Blätter, an eine Herzform. Sie bildet im jungen Alter eine auffällig glatt-graue Borke, welche sich später zu einer Netzborke entwickelt. Viele Linden besitzen so genannte Stammknollen, welche sich an alten Astansätzen bilden. Im Herbst fallen Winterlinden durch ihre goldgelbe Färbung auf.

                                     Frucht der Winter-Linde

Das hellbraune bis rötliche Holz ist relativ leicht und splittert nicht, weshalb es eines der beliebtesten Schnitzhölzer ist. Dabei ist es egal, ob man das Holz der Sommer- oder der Winterlinde benutzt, da sie sich nicht unterscheiden lassen. So wurden viele Wand- und Altarfiguren in Kirchen ausschließlich aus dem Holz des Baumes des Jahres 2016 geschnitzt.