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Rettet die Kastanie

Kastanienaktion 2010 in Bad Boll/SDW-Baden-Württemberg

 

Situation 2015

Auch 2015 geht es den weißblühenden Kastanienbäumen nicht viel besser. Schon seit einigen Wochen verlieren sie ihr Laub. Besonders entlang von Straßen und in Städten sind die Kastanien wegen der schlechteren Versorgung mit Wasser und Nährstoffen stark geschädigt.Nachfragen bei Experten in der Forschung haben ergeben, dass es keine neuen Forschungen zum Schutz gegen die Miniermotte laufen und damit keinen neuen Erkenntnisse vorliegen, wie man den Kastanien entscheidend helfen kann. "Auf alle Fälle lohnenswert" ist nach Prof. Dr. Michael Müller von der TU Dresden weiterhin die von der SDW propagierte und unterstützte Aktion "Rettet die Kastanien". Hier sammelt die SDW seit Jahren mit Partnern möglichst vollständig das Herbstlaub der Kastanien und verbrennt es anschließend. Die Kastanienminiermotte überwintert in den Blättern und wird durch das Sammeln in der Entwicklung gestört. Die Schädigung der Bäume durch die Miniermotte beginnt dann erst später im Jahr.Seit 2005 ist die Kastanienminiermotte in ganz Deutschland verbreitet. Kurze Zeit später begannen die ersten Untergliederungen der SDW mit dem Sammeln der geschädigten Blätter. Aus den Sammelaktionen lässt sich ohne großen Aufwand mit Kooperationspartnern oft ein Event gestalten: So werden in Schleswig-Holstein an den Sammeltagen Kastanienfeste mit Spielen und Basteln für die Kleinen, Essen für alle  und vielen anderen Angeboten veranstaltet

 Die Kastanienminiermotte
Kastanienblätter mit Flecken oder braune, eingerollte Blätter weit vor dem Herbst – so haben Sie bestimmt schon die Kastanienbäume in Ihrer Stadt gesehen. Schuld daran ist die Kastanienminiermotte (Cameraria ohridella), ein Kleinschmetterling aus der Familie der Miniermotten, der wahrscheinlich aus Asien stammt.

Die Kastanienminiermotte wurde auf unserem Kontinent erstmals 1983/84 in Mazedonien gefunden. Seitdem breitet sich die Miniermotte in Europa aus. Über Bayern und Baden-Württemberg hat sie sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 km pro Jahr ausgebreitet und ist seit 2003 auch in den nördlichen Bundesländern anzutreffen. Vergleichbar mit Ausbreitungsmustern bei Epidemien ist das Auftreten zuerst an Autobahnen und einigen Bahnstrecken beobachtet worden.

Diese Miniermotte hat sich vor allem auf die Rosskastanie als ihre "Kinderstube" spezialisiert. Der Schmetterling legt seine Eier auf der Oberseite der Blätter ab. Nach dem Ausschlüpfen der Raupen bohren sie sich in die Blätter und beginnen dort einen ca. 1 bis 2 mm langen Fraßgang anzulegen - sie minieren. Wenn die Raupen älter werden, wird die Mine fast kreisrund ausgebaut. Dort spinnen sie sich zur Puppe ein und entwickeln sich in ca. zwei Wochen zum Schmetterling.LarveLarve der MiniermottePro Jahr kann es zu drei bis vier Generationen kommen. Aus jedem Gelege schlüpfen rund 40 Raupen. Ein Mottenweibchen der ersten Generation kann theoretisch - mit ihren "Kindern" und "Kindeskindern" - mehrere tausend Nachkommen pro Jahr haben.

Erste Spuren zeigen sich rund einen Monat nach dem Austreiben der ersten Kastanien- blätter. Wenn die Larven anfangen zu minieren, dann erkennt man die Gänge als weiße "Striche" in den Blättern. Die Larven fressen in den Kastanienblättern die Chloroplasten (die Blattgrünspeicher). Später kommt es zur Braunfärbung der Gänge, die sich auf das ganze Blatt ausdehnen kann.

Bei stark befallenen Bäumen kann es bereits im Juli zum Blattabfall kommen. Damit ist die zum Leben notwendige Photosynthese für den Baum frühzeitig beendet.Blatt
Geschädigtes Blatt durch die Miniermotte
Das bislang wirksamste Mittel gegen die Vermehrung der Miniermotte ist das zügige Beseitigen des Herbstlaubes. Denn die letzte Generation der Kastanienminiermotte überwintert in den Kastanienblättern. Im Frühling steigen hieraus die ersten Schmetterlinge wieder auf und der Kreislauf beginnt von Neuem. Interessant ist, dass ein Befall immer zuerst an den unteren Blättern festgestellt wird. Erst im Laufe des Jahres legt die Miniermotte ihre Eier auf die höher gelegenen Blätter im Baum ab.

Da noch nicht vollkommen ausgeschlossen werden kann, dass die Kastanienminiermotte auch im Boden überwintert, empfiehlt es sich, das Kastanienlaub unmittelbar nach dem Abfallen zu entfernen.

Das Laub sollte verbrannt, mindestens mit 30 cm Erde bedeckt oder einer professionellen Kompostierung (nicht zu Hause!) zugeführt werden. Da dem Baum durch Abharken der abgefallenen Blätter der Frostschutz am Boden genommen wird, ist es empfehlenswert, in privaten Gärten den letzten Rasenschnitt unter dem Baum zu verteilen.

Auf diesem Weg kann man zumindest eine evtl. auch zwei Generationen an "seinem" Kastanienbaum stark eindämmen. Denn die Kastanienminiermotte muss erst wieder von nicht gepflegten Bäumen einfliegen.